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Start Jugendbotschafter 2007 Reisebericht „Asia Circle Jugendbotschafter“ Korea 2007
Reisebericht „Asia Circle Jugendbotschafter“ Korea 2007 Drucken E-Mail

Jonas Pfitzenmayer (Jahrgang 1992 )
Er besucht die 11. Klasse des Landesgymnasiums für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd

Alexander Silva Valencia ( Jahrgang  1990 )
Er besucht  die 11 Klasse Realschule des Geschwister Scholl Gesamtschule Tübingen


Reisebericht „Asia Circle Jugendbotschafter“ Korea 2007

 

Zusammen mit Alexander Silva Valencia hatte ich das Glück vom Auswahlkomitee des Asia Circles zum Jugendbotschafter ausgewählt worden zu sein. Aufmerksam auf die erstmals statt findende Initiative des Asia Circle wurde ich durch eine Meldung in der Stuttgarter Zeitung.

 

 

Nachdem also fest stand, dass ich eine Woche der Sommerferien in Seoul verbringen würde, hieß es, sich sorgfältig auf das Land, die Kultur und die Menschen vorzubereiten. Aus verschiedenen Quellen sammelte ich dann Informationen über die Geschichte und Entwicklung Koreas und über Seoul selbst. Am 16. August war es soweit, ich trat die von Lufthansa, Bosch Korea und Asia Circle gesponserte Reise von Stuttgart über Frankfurt nach Incheon (Seoul International) an. Im Flugzeug traf ich Alexander, den zweiten Jugendbotschafter, den ich bereits einige Wochen vor dem Flug bei der Urkundenübergabe durch Herrn Dr. Knut Kille, der die Idee für dieses Engagement des Asia Circle entwickelte, gesehen hatte.

 

Fluss Chonggyechonn: v.l.n.r. Alexander Silva Valencia,  Andreas Wöhler (vorne), Jonas Pfizenmayer, Christoph Wöhler(Bild: Fluss Chonggyechonn: v.l.n.r. Alexander Silva Valencia, Andreas Wöhler (vorne), Jonas Pfizenmayer, Christoph Wöhler)

Als wir dann am 17. August morgens um elf Uhr in Incheon ankamen, schlug uns erstmal ein Schwall feuchtheißer Luft entgegen, schließlich hatte es in der Woche zuvor heftig geregnet.
Nachdem wir erfolgreich Einreise und Zoll passiert hatten, nahm uns die Vorsitzende des Asia Circle Frau Mi-Kyoung Wöhler, die sich während der Reise unermüdlich für uns einsetzte, herzlich in Empfang. Gleich der erste Tag war gefüllt mit zahlreichen Programmpunkten. Bereits auf der Fahrt vom außerhalb liegenden Flughafen Incheon nach Seoul erfuhren wir zahlreiche interessante Fakten bezüglich der rasanten Entwicklung Koreas nach dem Koreakrieg, unter anderem durch deutsche Kredite. Schon weit vor der Stadtgrenze Seouls sah man bereits riesige Apartmenthäuser entlang des Han Flusses. Unsere Route, die wir auf einer Landkarte verfolgten, führte uns zügig über eine achtspurige Autobahn in die Hauptstadt, zu Familie Wöhlers Haus. Dort stellten wir unser Gepäck ab und fuhren zusammen mit Frau Wöhlers Söhnen Andreas und Christoph zum Rathaus Seoul, wo wir einen interessanten Film sahen über die Projekte, die zur Verbesserung der Lebensqualität in Seoul durchgeführt werden. So hat die Stadt bereits im Jahr 2005 den auf Grund von Seuchen in den späten sechziger Jahren zugedeckten und mit einer Autobahn überbauten Fluss Cheonggyecheon wieder zum Leben erweckt. Der neu gestaltete Flusslauf inmitten der Seouler Innenstadt ist nicht nur  ein beliebtes Ausflugsziel von Jung und Alt, sondern auch ein Symbol für die Pläne Seouls sich bis 2010 zu einer saubereren und touristisch attraktiveren Stadt zu entwickeln. Dabei scheut es auch den Vergleich mit asiatischen Metropolen wie Shanghai oder Singapur nicht. Nach diesem Blick in die Zukunft fuhren wir vom Rathaus zum Gyeongbok Palast, dem ältesten Palast Seouls, der  1395, als Seoul zur Hauptstadt der Choseon-Dynastie (1392-1910) erklärt worden war, gebaut wurde. Die typisch symmetrische Architektur des Palastes besticht durch große Innenhöfe, herrschaftliche Hallen, sowie ein intelligentes Konzept zur Fußbodenheizung. Bei der anschließenden Besichtigung des angegliederten National Folk Museums erfuhren wir anhand anschaulicher Modelle und Erklärungen einiges über die Lebensweise im Korea der frühen Choseon Zeit. Gegen Abend trafen wir dann unsere Gastfamilien, die von Frau Wöhler zu einem gemeinsamen typisch koreanischen Abendessen eingeladen worden waren. Ganz traditionell wurde an niedrigen Tischen, auf dem Boden sitzend und mit Stäbchen gegessen. Auch das wohl bekannteste koreanische Gericht, die Nationalspeise Kimchi (scharf eingelegter Chinakohl) gehörte selbstverständlich zu dem Angebot an reichhaltigen Beilagen. Bei meiner Gastfamilie Müller, bei der ich mich an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanken möchte, verbrachte ich dann meine erste Nacht in Korea. Auf Grund der hervorragenden Lufthansa Flugverbindung, dank der wir gegen Abend losgeflogen waren und morgens ankamen, hatte ich kaum mit Jetlag zu kämpfen.

 

Am nächsten morgen holte uns Frau Wöhler bei unseren Gastfamilien ab und wir fuhren zum Wahrzeichen Seouls, dem inmitten des riesigen Namsan Parks gelegenen Seoul Namsan Tower, einem Fernsehturm.

Von dort hatte man auf Grund des guten Wetters einen fantastischen Blick über Seoul, das sich bis ins Unendliche  in alle Richtungen zog. Hier bekam man dank der Ortskenntnis von Frau Wöhler und ihres Sohnes Stefan einen Eindruck von der enormen Größe dieser Stadt. Seoul und seine angrenzenden Vorstädte ziehen sich wie ein nie abreisendes Band durch die Täler der hügeligen Landschaft. Nach diesem faszinierenden Panoramablick über Seoul fuhren wir mit dem Stadtbus zum Namdaemun Markt. Dieser offene Markt mit seiner Vielfalt an Ständen liegt am gleichnamigen Südtor der alten Stadtmauer im Zentrum. Das faszinierende an diesem Markt ist, dass man auf ihm von gefälschter Kleidung und Uhren, über Gemüse, bis hin zu einem Laden voll mit Produkten der traditionellen Heilwurzel Ginseng alles findet. Nach dem Mittagessen im ältesten Seouler Kaufhaus Shinsegae machten wir uns per Taxi auf den Weg zum Nationalmuseum, wo wir die Deutschlehrerin Frau Choi und einen ihrer Schüler trafen. Im riesigen Nationalmuseum erfuhren wir nicht nur allerhand über die koreanische Geschichte, Kultur und Religion, sondern durch den Schüler von Frau Choi auch über den Alltag koreanischer Schüler. Die koreanischen Familien haben das Ziel, ihrem Nachwuchs die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Alle Schüler wollen Geschäftsführer oder Präsident werden. Dementsprechend ist der Druck, der von der Schule und den Eltern aufgebaut wird sehr groß. Nach der Schule, die bis spät in den Nachmittag hinein geht, besuchen die Schüler oft noch bis  in die Nacht privaten Nachhilfeunterricht. Dass die Hobbys und Freizeit dabei auf der Strecke bleiben ist nebensächlich. Vom beeindruckenden Nationalmuseum fuhren wir weiter zum Jogyesa, dem Haupttempel des größten buddhistischen Ordens im Lande, wo gerade eine buddhistische Zeremonie stattfand.  Mit einem Bummel auf der nahe liegenden Insa-dong, einer Straße mit zahlreichen kleinen koreanischen Antiquitäten- und Kunstläden sowie anschließendem Abendessen ließen wir den Tag ausklingen.

 

Am Sonntag fuhren wir zusammen mit der Familie von Herrn Dr. Kille, Alexanders Gastfamilie MacDonald sowie Andreas und Christoph Wöhler als Tagesausflug nach Suwon zum Weltkulturerbe Festung Hwaseong. Diese besitzt noch eine komplett erhaltene Stadtmauer mit zahlreichen Wachtürmen und imposanten Toren, die ursprünglich die gesamte Stadt umschloss. Die Mauer wurde zwar im Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg stark beschädigt, später aber restauriert und als idyllischer Park gestaltet. Bei perfektem, fast schon zu heißem Wetter wanderten wir entlang der alten Mauer und genossen immer wieder den Blick von Wachhäusern und Aussichtsplattformen über den  Park und die Stadt. Zurück in Seoul aßen wir ein wunderbares Chili con carne bei Familie Kille und wurden anschließend zu unseren Gastfamilien gebracht.

 

(Bild: v.l.n.r: Alexander Silva Valencia, Stefan Heuer, Jonas Pfizenmayer, Mi-Kyoung Wöhler)

v.l.n.r: Alexander Silva Valencia, Stefan Heuer, Jonas Pfizenmayer, Mi-Kyoung WöhlerAm nächsten Tag stand der Besuch bei deutschen Firmen in Korea an. Auf dem Weg zum neu gebauten Trumpf Hochhaus im Osten der Stadt machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Worldcup Stadium, welches zur Fußball WM 2002 gebaut wurde. Im Stadium mit seinen 64 000 Sitzplätzen konnte man die endlosen Sitzreihen  durchstreifen, unten auf dem Rasen stehen und sich die Atmosphäre eines voll gefüllten Stadions vorstellen sowie die Kabinen der Mannschaften besichtigen. Kurze Zeit später waren wir dann schließlich bei Fa. Trumpf die aus Ditzingen bei Stuttgart kommt. Dort  nahm sich Trumpf Korea Geschäftsführer Friedrich Stockinger  viel Zeit, unsere Fragen zu Trumpf, deutschen Firmen in Korea,  der koreanischen Wirtschaft und Problemen wie Produktpiraterie zu beantworten. Auf Grund der vielen Zeit, die wir bei Trumpf verbrachten, mussten wir  uns beeilen zu unserem Termin bei einer anderen deutschen Firma in Korea zu kommen: dem TÜV Rheinland. Viele kenne den TÜV nur von der benötigten Autoplakette, er erteilt jedoch Zertifikate aller Art für viele unterschiedliche Produkte und das nicht nur in Deutschland sondern fast überall auf der Welt, auch in Korea. Dort überprüft der TÜV hauptsächlich die Sicherheit von Produkten, die beispielsweise in die EU oder nach Amerika exportiert werden sollen, da dort oftmals andere Sicherheitsanforderungen gelten. Nach einer allgemeinen Einführung über die vielfältigen Tätigkeiten des TÜV und vielen Fragen unsererseits führte uns TÜV Rheinland Korea Geschäftsführer Stefan Heuer durch die Laboratorien, in denen der TÜV Rheinland vor allem elektrische Produkte auf Mängel und Sicherheitsrisiken testet. Nach dieser sehr interessanten Führung verbrachten wir den späten Nachmittag mit einem Bummel über die Itaewon, eine sehr belebten Einkaufsstraße.

 

Am nächsten Tag besuchten wir einen Flohmarkt in einem ehemaligen Baseballstadion nahe des Dongdaemun Tors. Hier verkaufen und kaufen die Menschen hauptsächlich Kleider und Elektronik. Von dort fuhren wir weiter zum National Science Museum, in dem einem sehr anschaulich naturwissenschaftliche Thesen näher gebracht wurden. Besonders interessant war hier eine Ausstellung über koreanische Wissenschaftler, die wichtige Dinge für die Entwicklung Koreas leisteten. Von dort ging es dann in ein Viertel im Norden Seouls, in welchem viele traditionelle koreanische Häuser erhalten sind. Hier gibt es viele Galerien und kleine Cafés. Nicht weit entfernt ist das mit blauen Ziegeln gedeckte „Blue House“, der Sitz des koreanischen Präsidenten, welches in Verlängerung zum Gyeongbok Palast errichtet worden ist. Dort bekamen wir eine Führung durch ein kleines Museum zur Geschichte und Entwicklung der Stadt Seoul mit vielen Bildern und Modellen. Nach einem Foto vor dem „Blue House“ besuchten wir das nun zu einem Museum umfunktionierte Seodaemun - Gefängnis. Das Gefängnis, welches von den japanischen Besatzern errichtet wurde,  nahm seinen Betrieb 1908 auf. Koreaner, die die Besatzer bekämpften und für ein freies Korea eintraten wurde hier inhaftiert und oft brutal gefoltert und hingerichtet. Eine sehr engagierte ehrenamtliche Führerin schilderte uns die Umstände unter denen viele Koreaner unter japanischer Herrschaft leben mussten, so mussten sie beispielsweise ihre koreanischen Namen ablegen und japanische Namen annehmen. Nahe zum Museum liegt die riesige private Top Universität Yonsei, die wir uns kurz anschauten. Anschließend gingen wir entlang der Myeongdong Einkaufsstraße, die den Trend der koreanischen Mode bestimmt, zur katholischen Myeongdong-Kathedrale. Diese 1898 im Stil der Neo-Renaissance erbaute Kirche erhebt sich erstaunlich europäisch über das Einkaufsviertel. Sie ist das zentrale Symbol der koreanischen Christen, die etwa 26% der Bevölkerung ausmachen. Den Abend verbrachten wir in unseren Gastfamilien.

 

 

 

 

(Bild: Teich im idyllischen Garten des Changdeok PalastesTeich im idyllischen Garten des Changdeok Palastes)

Am Mittwoch ging es zur entmilitarisierten Zone an der innerkoreanischen Grenze. Mit einer geführten Tour war es möglich, in die Zone hinein zu fahren. Dort besichtigten wir einen Tunnel, der von Nordkorea durch den Felsboden gesprengt wurde, um unter der Grenze hindurch unbemerkt einen Angriff auf Südkorea starten zu können. Laut Südkorea wäre es möglich gewesen, 30 000 bewaffnete Soldaten innerhalb einer Stunde durch diesen Tunnel zu schicken. Unsere Führerin erzählte viel Interessantes über die jüngere Geschichte Koreas. Wie es zur Trennung nach dem zweiten Weltkrieg kam, zum Koreakrieg und zur aktuellen Situation. Wir besuchten ebenfalls den Dorasan Bahnhof, der letzte Bahnhof im Süden. Dieser wurde  nach der Vereinbarung zwischen dem südkoreanischen Präsidenten und Nordkoreas Diktator Kim Jong Il, nach der langfristig der Grenzverkehr mit Zügen wieder eingeführt werden soll, gebaut.

Der knapp sechsstündige Ausflug hat sich sehr gelohnt, da man viel zur Geschichte und zu den Problemen, mit denen das geteilte Land zu kämpfen hat, gelernt hat. Wieder zurück in Seoul besuchten wir den östlich vom Gyeongbok gelegenen Changdeok Palast, der 1412 erbaut wurde und der Lieblingspalast vieler Choseon Könige war. Er wurde 1997 in die UNESCO Weltkulturerbeliste aufgenommen. Der Palast schmiegt sich wunderbar in die Landschaft ein und sein angrenzender riesiger Garten ist eine Oase der Ruhe inmitten des hektischen Seouls. Vom Palast liefen wir ins Stadtzentrum und über den Namdaemun Markt zum Hilton Hotel, wo uns Frau Wöhler abholte und zu unseren Gastfamilien brachte.

 

Am Donnerstag besuchten wir zwei Stunden lang den Matheunterricht der zehnten Klasse in der Deutschen Schule Seoul. Die Schule wurde 1976 auf Initiative von in Korea tätigen Eltern gegründet. Heute lernen dort knapp über 100 Schüler in kleinen Klassen Stoff nach deutschen Lehrplänen. Da ich die zehnte schon hinter mir hatte, kam mir der Stoff sehr bekannt vor. Nach diesen Stunden an einer deutschen Schule im Ausland fuhren wir zusammen mit Frau Wöhler zur Deutschen Botschaft. Dort unterhielten wir uns eine Stunde lang mit dem Deutschen Botschafter Herr Dr. Baas und dem Lufthansa Korea Chef Herr Hahn über Themen wie den fehlenden Mittelstand in der koreanischen Wirtschaft, die riesigen Konzerne wie Samsung, die Wiedervereinigung oder das koreanische Schul- und Bildungssystem. Es war sehr interessant und hilfreich mit zwei Persönlichkeiten, die sich schon von Berufs wegen stark mit der Kultur und Mentalität Koreas beschäftigen, über diese Themen zu sprechen. Gegen Abend hatte dann Familie Wöhler unsere Gastfamilien, Frau Choi und Familie Kille zu einem Abschiedsessen bei sich zu Hause eingeladen. Dort haben wir mit Hilfe von Bildern einen Bericht über das Erlebte vorgetragen. Am nächsten Tag haben wir unsere Sachen gepackt und uns von den Gastfamlien verabschiedet. Wir fuhren dann mit dem Zug nach Daejon, wo die Firma Bosch eine Dieseleinspritzpumpenfabrik betreibt. Herr Kille führte uns durch die Fabrik und erklärte dabei viel Interessantes über die Fabrik und Bosch in Korea. Von dort fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen Incheon, wo uns Frau Wöhler verabschiedete und wir schließlich um 00:25 Uhr in Richtung Heimat abflogen.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses vom Asia Circle organisierte Programm ein voller Erfolg und für uns sehr bereichernd war. Wir danken unseren Gastfamilien, der Familie Kille und Allen, die möglich gemacht haben, dass diese Initiative so durchgeführt werden konnte. Der größte Dank geht dabei an Frau Wöhler, die unermüdlich für uns im Einsatz war, Treffen und Ausflüge organisiert hat und fast den ganzen Tag mit uns verbrachte. Vielen Dank für dieses großartige Engagement!

 

 

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