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Start Jugendbotschafter 2008 Johanna Klesse: "Mitten drin - statt nur dabei"
Johanna Klesse: "Mitten drin - statt nur dabei" Drucken E-Mail

Als ich mich Mitte April mit meinem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben und einem Empfehlungsbrief meiner Schule für das von Asia Circle initiierte Projekt "Jugendbotschafter 2008 in Südkorea" bewarb, wusste ich noch nicht, was für eine spannende Woche auf mich zukommen würde. Nur einen Monat später war ich zusammen mit vier weiteren Jugendlichen ausgewählt um "Seoul - the soul of Asia" life zu erleben und kennen zu lernen.
Nach der Urkundenverleihung in Stuttgart hieß es für mich also im August für eine Woche lang:


"Mitten drin - statt nur dabei"


als Jugendbotschafterin in Seoul, Südkorea


Johanna Klesse, 17 Jahre
Heinrich_Heine Gymnasium, Mettmann Stufe 12



Asien - eine völlig fremde Welt, zu der ich vor meiner Reise keinen richtigen Zugang hatte. Nach dieser, von Frau Wöhler perfekt durchgeplanten Woche in Seoul weiß ich, dass gerade Südkorea viel mehr mit Deutschland gemeinsam hat, als wahrscheinlich viele Menschen ahnen. Die beiden Länder, mit ihren so großen kulturellen Unterschieden, verbindet eine Teilung des eigenen Landes. Die Teilung Deutschlands, die mit dem Mauerfall 1989 beendet war, und die Teilung Südkoreas, die seit 1953 durch die Ziehung einer ca. 250 km langen Waffenstillstandslinie entlang des 38. Breitengrades  besiegelt wurde, machen Deutschland und Südkorea zu Ländern mit einer gleichen Erfahrung. Korea ist sehr an den Erfahrungen Deutschlands hinsichtlich der Wiedervereinigung interessiert. Bereits am ersten Tag besichtigten wir die DMZ, die noch heute für Krieg und Frieden, Teilung und Wiedervereinigung steht. Während dieser gesamten Woche ist mir klar geworden, wie sehr das Land durch die Teilung geprägt ist. Noch heute ist es laut General Ha, dem Stellvertretenden Kommandeur der Dritten Armee, wichtig, sich auf den Ernstfall eines Krieges vorzubereiten. Alle erwachsenen Männer gehen 18 Monate lang zum Militär und werden dort zum einen für den Ernstfall trainiert, widmen sich auf der der anderen Seite auch zivilen und nationalen Aufgaben. Da ich mit meinen 17 Jahren gerade zu jung bin, das geteilte Deutschland erlebt zu haben, war es für mich umso interessanter, die Erfahrungen der Südkoreaner zu hören. Ein Stück Berliner Mauer und ein Berliner Bär mitten im Zentrum Seouls ließen mich an die doch große geographische Entfernung zu Deutschland denken. Eigentlich doch so fern, war mir meine Heimat in diesem Moment unbegreiflich nahe. Während verschiedener Termine mit Vertretern der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Goethe Institut oder bei der Ausstellung der Hans-Seidel-Stiftung zum Thema "Deutsch-Koreanische Beziehungen" musste ich daran denken, wie präsent das in der Schule durchgekaute und anscheinend doch wenig verstandene Thema "Globalisierung" in der Welt ist. Firmen wie Trumpf und Bosch, die Tochterfirmen im Ausland gegründet haben, um als Unternehmen mit Mitarbeitern in der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, gewährten uns einen Einblick in "ein weiteres Stück Deutschland" in Korea. "Im Handelshausstil angefangen, ist Trumpf in Korea zu einem wichtigen Standort für den Vertrieb der Produkte und die Betreuung der Kunden geworden" - wie wir von Herrn Stockinger erfuhren. Ebenso Bosch Korea - hier war das Ziel, nicht nur in Auslandsstatistiken erwähnt zu sein, sondern vielmehr als eine "große Firma" mit Mitarbeitern aus allen Herrenländern zusammen zuarbeiten.  Herr Dr. Knut Kille, Vizepräsident von Bosch Korea, ermöglichte uns diesen Besuch - auf diesem Weg ein herzlichen Dank an die Vertreter der Firmen Trumpf und Bosch  , dafür dass sie uns diesen Einblick ermöglicht haben. Mit Herrn Dr. Baas, deutscher Botschafter in Seoul unterhielten wir uns über die Chancen und Probleme der koreanischen Wirtschaft und erfuhren, dass Südkorea gute Kontakte zu Deutschland pflegt und  des Weiteren Handelsbeziehungen mit China und Japan bestehen. Weil wir in Deutschland unseren Schulalltag für eine Woche hinter uns lassen konnten, sollte das nicht heißen, dass wir nicht wenigstens kurz in den Schulen Vorort vorbeischauen. Der Besuch in der deutschen Schule in Seoul und der Han Yong Foreign Language High School ermöglichte uns, Vergleiche zwischen den zwei so unterschiedlichen Schulsystemen zu ziehen. Koreanische Schüler haben neben einem umfangreichen Stundenplan zusätzlich noch Privat- und Instrumentalunterricht bis spät in den Abend hinein.

In dieser Woche hatte ich die einmalige Gelegenheit ein Land, seine Hauptstadt und seine Kultur und Menschen intensiv kennen zu lernen.  In Gesprächen mit hochkarätigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sozialem erfuhr ich viel über die Denk- und Arbeitsweisen, Sitten, Bräuche und die Geschichte eines uns doch so ähnlichen Landes. Die Koreaner sind sehr traditionsbewusste und höfliche Menschen, die sehr viel Wert auf Familie, Bildung und Beruf legen. Während dieser spannenden Woche wurden wir überall herzlich empfangen und gut betreut.
Gerade bei der Auswahl der Gastfamilie hat Frau Wöhler eine gute Wahl getroffen, ich habe mich bei Familie Spitze sehr aufgenommen und willkommen gefühlt.

 


Asia Circle ermöglichte mir mitten drin zu sein - statt nur dabei. Mein Fazit nach dieser Reise lässt sich gut mit einem koreanischen Sprichwort zusammenfassen, welches der Herr General Major Ha  zitierte:



"Auf einem Kilometer Reise lernt man mehr als durch 10 Bücher!"

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