| 18.09.2010: Zehn Tage Jugendbotschafter in Südkorea - BERGSTRÄSSER ANZEIGER |
|
|
|
Völkerverständigung: Goethe-Schulsprecher Laurien Simon Wüst lernte viele verschiedene Facetten des asiatischen Landes kennen
Zehn Tage Jugendbotschafter in Südkorea
BENSHEIM. Eine fremde Kultur entdecken, mit Führungskräften aus Wirtschaft und Politik diskutieren und den Alltag der Menschen miterleben – dieser Traum ging Ende August für vier deutsche Jugendliche in Südkorea in Erfüllung. Als Jugendbotschafter 2010 waren sie vom Verein Asia Circle unter zahlreichen Bewerbern ausgewählt worden. Seit 2007 schickt der von der Deutsch-Koreanerin Mi-Kyoung Wöhler gegründete Verein junge Menschen als Botschafter nach Seoul in Südkorea. Die Förderung von Völkerverständigung, Toleranz und interkultureller Kompetenz sind wichtige Ziele, die der Verein mit diesem und vielen weiteren Projekten verfolgt. Für den Aufenthalt in Südkorea hatte sich in diesem Jahr auch der Bensheimer Laurien Simon Wüst, Schulsprecher des Goethe-Gymnasiums, in den drei Runden eines anspruchsvollen Auswahlverfahrens qualifiziert. Schon auf dem Flug konnten die vier deutschen Jugendlichen die asiatische Gastfreundschaft genießen: „Schuhe aus und Pantoffeln an“ hieß es im Flugzeug.
Es sollen sich eben alle wie zu Hause fühlen. Eine Erfahrung, die sich wie ein roter Faden durch die zehn Tage zog. Überall begegneten die Menschen den vier Jugendbotschaftern mit Freundlichkeit und Wertschätzung. Und Begegnungen gab es zahlreiche, von der Inhaberin eines milliardenschweren Weltkonzerns über einen General des Verteidigungsministeriums, Diplomaten, Führungskräften deutscher und koreanischer Unternehmen bis hin zu den koreanischen Gastfamilien. Nach mehr als elf Stunden Flug wartete gleich der erste Programmpunkt auf die Gäste: die Demilitarized Zone (DMZ), die die koreanische Halbinsel in Nord- und Südkorea aufteilt. Diese durch die politische Konfliktlage in der Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West entstandene Trennung rief bei den Jugendlichen unweigerlich die Parallelität zur deutschen Geschichte wach. Auch bei den anderen Begegnungen war die Teilung Koreas immer wieder ein wichtiges Gesprächsthema. Etwa beim Besuch des Verteidigungsministeriums, bei General Major Dr. Yoo Jeh-Seung, der den deutschen Gästen einen Einblick in die militärische Dimension der Teilung gab. Doch nicht nur das Erlebnis der Teilung verbindet Deutschland und Korea, auch wirtschaftlich lassen sich viele Gemeinsamkeiten entdecken. Besuche bei Mercedes Benz, der deutsch-koreanischen Industrie- und Handelskammer sowie bei Führungskräften koreanischer Unternehmen gaben Einblick in eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, die durch ein gewaltiges Wachstum in den letzten Jahrzehnten gekennzeichnet ist. Dass Deutschland in Korea ein hohes Ansehen genießt, liegt nicht nur am deutschen Wirtschaftswunder, den beide Länder verbindenden Fleiß der Menschen oder der Qualität deutscher Produkte, es ist auch die Folge der deutschen Außen- und Handelspolitik. So waren es die Deutschen, die als erstes Land den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Südkorea unterstützten.
Mode und Lifestyle Heute steht Südkorea auch für Wachstum in Sachen Mode und Lifestyle. Davon konnten sich die Jugendbotschafter bei einem Treffen mit der Geschäftsführerin der Modemarke MCM (Moderne Creation Munich), Chairwoman Kim Sung- Ju, überzeugen. Kurz vor der Insolvenz stehend, hat sich das Unternehmen seit der Übernahme 2005 durch Kim Sung-Ju zu einer der erfolgreichsten Marken der letzten Jahre entwickelt. Doch Südkorea hat neben Wirtschaftswachstum noch sehr viel mehr zu bieten. Beispielsweise in Sachen Kultur und Geschichte. So standen der Changdeokgung Palace mit seiner beeindruckenden Asymmetrie ebenso auf dem Programm wie ein Besuch des Yogye-Sa Tempels, dem größten buddhistischen Tempel in Seoul.
Kulturelle Höhepunkte Kulturelle Höhepunkte bot auch das Abendprogramm mit klassischen Konzerten, traditionellem Theater und Kleinkunst. Bei einem Treffen mit dem koreanischen Tourismus verband erfuhren die Jugendbotschafter, dass auch hier noch ein großes Potenzial schlummert. Politik, Wirtschaft, Geschichte und Kultur im Schnelldurchlauf, aber mit einer Intensität, die die Anstrengungen eines 14-Stunden-Tages schnell vergessen ließen. Als die vier Jugendbotschafter nach zehn Tagen die Rückreise antraten, hatten sich ihre Erwartungen mehr als erfüllt und von den gesammelten Eindrücken werden sie noch lange zehren. Und ihr erster Besuch in Südkorea war sicher auch nicht der letzte, denn Angebote für ein Praktikum konnten alle vier mit nach Deutschland nehmen. zg
Artikel als PDF herunterladen (ca. 741 kB).
|


