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Landsleute Mi-Kyoung Wöhler will Schwäbin sein - Stuttgarter Zeitung - Online - Samstag, 9. Februar 2005 Drucken E-Mail

Stuttgarter Zeitung

Quelle: Stuttgarter Zeitung - Online -
Samstag, 9. Februar 2005
Homepage: www.stuttgarter-zeitung.de

 

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Bild: Mi-Kyoung Wöhler steht in ihrer Wohnung in Gerlingen bei Stuttgart vor einem koreanischen Bildteppich. Foto: dpa

Landsleute Mi-Kyoung Wöhler will Schwäbin sein

 

Gerlingen - Der Jasmintee duftet in weißen Porzellantassen. In Seetang gewickelte Reis-Häppchen erwarten den mehr oder weniger erfahrenen Gast. Dieser wird diskret in die Kniffe des Stäbchenessens eingeweiht - Mi- Kyoung Wöhler ist die perfekte Gastgeberin. "In meiner Heimat versucht man, dem anderen ein gutes Gefühl - koreanisch "Kibun" - zu geben, ohne lange nach seinen Wünschen zu fragen", sagt die 41-Jährige. Ihre Heimat ist Korea - immer noch. Aber in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) lebt sie seit 1987 und hat dort inzwischen Wurzeln geschlagen.

 

Mit ihrem Mann und den vier Söhnen im Alter zwischen sieben und 16 Jahren wohnt Mi-Kyoung Wöhler in einem Haus über den Weinbergen. Nach 14 Jahren Kinderpause hat sie im Januar vergangenen Jahres eine Weiterbildung als Hotelfachfrau abgeschlossen. Seit 2003 ist sie Vorsitzende der Region Schwaben des Verbandes der Deutsch- Amerikanischen Clubs mit mehr als 500 Mitgliedern und hat den "Asia Circle" gegründet - für "internationalen kulturellen Austausch, nationenübergreifenden Dialog und Völkerverständigung ohne Vorurteile". Für den "Asia Circle" organisiert sie Firmenbesichtigungen und lädt zu Vorträgen ein. Besonders Frauen will sie die Möglichkeit geben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und anerkannt zu werden. "Hausfrauen werden in Deutschland nicht genug wertgeschätzt. Es ist fast schon peinlich zu sagen, man sei "nur Hausfrau"", meint die 41-Jährige. In Asien werde dagegen vor allem die Kindererziehung als wichtigste Aufgabe der Frauen in der Gesellschaft angesehen. Die Erfolge koreanischer Schüler in der Pisa-Studie best ätigen dies.

 

"Ich wollte von Anfang an eine richtige Schwäbin sein", berichtet sie über ihre Ankunft in Gerlingen 1987. Deshalb büffelte sie nicht nur die Sprache, sondern lernte, wie die Deutschen zu kochen und zu backen, aber auch mit Staub- und Wischlappen umzugehen. Bei einem Praktikum in einer Metzgerei wurde sie in die Geheimnisse der Kartoffelsalat- und Maultaschenherstellung eingeweiht.

 

Manchmal sei der Integrationsprozess in Deutschland für sie sehr hart gewesen: "Ich habe vieles an Eigenarten und Gefühlen verloren, die für mich als junge Koreanerin typisch waren." Besonders die kühle Distanz der Schwaben gegenüber Fremden habe sie verunsichert. "Mit den Deutschen muss man Termine machen - Spontaneität und offene Herzlichkeit gab es fast nicht", erinnert sie sich. Damals sei sie oft einsam gewesen: "Ich bin Bus gefahren, weil ich Sehnsucht nach Menschen hatte, aber selbst der Bus war im Gegensatz zu Korea total leer. "

 

Gerade beim Stichwort Familie vergleicht Mi-Kyoung Wöhler das Leben in Seoul mit dem in Gerlingen. "Die Deutschen haben weniger Familiensinn. Die Kinder gehen schon während der Ausbildung ihren eigenen Weg. In Korea dagegen bleibt man bei den Eltern bis man eine eigene Familie gründet." Sie selbst hat die Liebe von ihren Eltern weggeführt. Ihren Mann Jürgen Wöhler, bei der Landesbank Baden-Württemberg für das Auslandsgeschäft zuständig, hat sie in Seoul in einer blockierten Drehtür kennen gelernt. Nach ihrer Ankunft in Deutschland wünschte sie sich lange, nicht so asiatisch auszusehen und neugierig angestarrt zu werden. "Ich habe nur noch schwarze Kleidung getragen, um nicht aufzufallen." Jahre hat Mi-Kyoung Wöhler gebraucht, um sich verwurzelt zu fühlen. Vor zwei Jahren hat sie dann entschieden, sich einbürgern zu lassen. "Ich wollte damit warten, bis ich mich ein wenig mehr als Deutsche fühle."

 

Von Michaela Kinzler, dpa

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